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Einmal reinen Tisch, bitte: Sonntagstief trifft Selbstzweifel

Eigentlich wollte ich heute einen Artikel über meinen ersten Urlaub alleine vor zwei Jahren veröffentlichen – okay, schreiben, ich wollte ihn schreiben.

 

Ich wollte darüber schreiben, wie schön es war, alleine Zeit an einem der schönsten Orte der Welt zu verbringen, dass ich meine Angst überwunden habe und wie sehr ich mich auf den kommenden Solo-Urlaub Ende März freue.

Das war wohl nichts.

Denn irgendwie funktionierte der Artikel nicht. Die Gedanken wollten nicht durch die Finger und die Tastatur fließen. Er passte heute einfach nicht. Denn mir ist nicht dänemarkig zumute. Und auch nicht vorfreudig (auch wenn ich mich natürlich sehr auf die Woche an der Nordsee freue). Nein, mir ist nach unter die Decke kriechen. Und um ehrlich zu sein, fühlt sich der Tag auch genau so an – wie unter einer dunklen Decke.

 

Warum sind manche Tage so grau?


Ich weiß, dass ich solche Tage manchmal habe. Aber mir fällt es schwer, nachzuspüren, warum sich diese Tage wie in eine dunkle Decke gehüllt anfühlen. Heute habe ich es trotzdem versucht. Nach ein bisschen Yoga habe ich auf meiner Matte gesessen, in mich hinein gehorcht und folgendes gehört:

  1. Unfreiwillige Einschränkungen treiben mich in den Wahnsinn. 
Vor vier Tagen bin ich an der rechten Hand operiert worden. Nichts schlimmes, nur das Metall, das nach einem Bruch vor mittlerweile mehr als zwei Jahren noch in der Hand verblieben war, wurde herausgenommen. Trotzdem habe ich nur zwei ordentliche Wunden, die verheilen müssen, mitten auf der noch verbundenen Hand und bin dadurch als Rechtshänderin echt eingeschränkt. Und das macht mich wahnsinnig! Ich übe mich in Entschleunigung, aber doch bitte zu meinen Bedingungen und nicht erzwungen! Meine Laune ist entsprechend seit ein paar Tagen echt im Keller und ich bin unglaublich reizbar.

  2. Die guten alten Selbstzweifel sagen leise “Hallo”. Die schlechte Laune trägt ihren Teil zu diesen Selbstzweifeln bei – ich mag mich nicht, wenn ich so bin, wie ich die letzten Tagen war. Doch woher kommt der Rest der bohrenden Selbstzweifel? Auf meiner Yogamatte sitzend lauschte ich also noch einmal mehr in mich hinein und stellte fest: lyckaliv ist schuld.

Als ich lyckaliv an den Start gebracht habe, war ich mir ganz sicher: Ich mache das jetzt einfach. Es wird nicht perfekt, nicht alle werden es mögen oder dem Projekt auch nur eine Daseinsberechtigung in diesem Internet zusprechen, aber ich starte diesen kleinen Blog trotzdem – und das ohne große Planung, sondern einfach für mich und aus dem Bauch heraus.

Ja, klar. 

 

Mehr als nur nicht gut


Denn natürlich fange ich an, mich zu vergleichen:
Andere Instagramprofile wirken wahnsinnig durchgeplant. Bilder sind alle in einem Stil. Captions haben lange, inspirierende Texten. Die dazugehörigen Blogs sind durchdesignt bis zum geht nicht mehr – und alles generiert Abonnenten und Klicks bis zum Geht-nicht-mehr. Gerade im Yogabereich sind viele Profile so unfassbar schön, dass sie mich schlicht einschüchtern.

Denn ich bin sicher, dass das, was ich tue, nicht nur nicht perfekt, sondern schlecht ist. Dass ich viel mehr aus der Sache herausholen, sie noch besser machen könnte, obwohl ich mich ja ganz bewusst gegen das Planen, durchästhetisieren und der Jagd nach dem Perfekten entschieden habe. Ich werde unruhig und versuche zu kontrollieren. Mache Listen mit Änderungen, die ich am Blog vornehmen möchte und überlege fieberhaften, in welchem Stil ich zukünftig Fotos machen möchte. Dann mache ich Fotos und bin unzufrieden: Hier steht eine Haarsträhne ab, da stimmt der Winkel nicht, dort sieht man, dass ich vorher echt hätte saugen sollen!

Und genau diese Fotosituation hatte ich heute. Da ich Artikel und Postings die ganze Woche vor mir hergeschoben hatte, wollte ich heute endlich aktiv werden, planen und tolle Inhalte vorbereiten – und die Ergebnisse ließen entweder auf sich warten oder machten mich unglücklich.

 

Hintern hoch!


Geholfen hat am Ende nur eins: Hinter hochkriegen. Obwohl die kleine gemeine Stimme in meinem Kopf sagte, dass ich mit meiner verbundenen Hand ja eh kein Yoga machen könne, habe ich mich auf meine Space-Matte geschwungen. Beim Pranayama üben braucht man seine Hand nicht und – man glaubt es kaum – es gibt wahnsinnig viele Asanas, bei denen keine einzige Hand belastet werden muss. 

So blöd es klingen mag, ich glaube, die Yogapraxis und die Ruhe, die ich mir danach noch auf der Matte gegönnt haben, haben das dunkle Chaos in meinem Kopf ein bisschen sortiert – und am Ende kamen sogar noch ein Blogartikel und ein paar Fotos dabei heraus!

Diese Tage kommen und gehen. Ich versuche sie anzunehmen, aber ich versuche auch, den Blick nach innen zu üben, um mich vielleicht das ein oder andere Mal, aus dem schwarzen Schlamassel herauszuziehen.

lyckaliv-yoga-selbstzweifel

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