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Über Entscheidungen und Scheinriesen

Kennt ihr eigentlich Herrn Tur Tur, den Scheinriesen aus “Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer”? 

An diese Figur aus den Kinderbüchern muss ich häufig denken. Denn es gibt so wahnsinnig viele Dinge, die aus der Ferne riesenhaft und bedrohlich wirken, aber immer kleiner werden, je näher man an sie heran kommt. 

Mir geht es so mit Entscheidungen.

 

Einatmen: Ich will mich nicht entscheiden.

Die meisten Entscheidungen erscheinen mir wie riesige Berge und bedeutet auch genau solchen Stress. Das fängt damit an, dass ich an miesen Tag nicht mal entscheiden kann, was ich essen möchte, geht weiter bei der Überlegung, ob die Yogaleggins, nicht doch minimal durchsichtig und nicht wirklich perfekt ist und hört auf bei Fragen, die vermeintlich meine Zukunft – ob beruflich oder privat – verändern könnten.

Wenn meine Entscheidung nicht nur mich, sondern auch die Menschen in meinem Umfeld betreffen, wird es besonders schwierig – nicht, dass ich jemanden verletze oder Unrecht tue!

 

Luft anhalten: Ich werde ungeduldig.

Ich habe also Entscheidungsschwierigkeiten. So weit so gut, aber wisst ihr, was noch dazu kommt? Ungeduld mit einem Hang zum Sorgen machen. Habe ich mich für etwas entschieden, will ich es jetzt in die Tat umsetzen oder geregelt haben. Im letzten Jahr haben wir zum Beispiel mit unseren Hochzeitsplanungen angefangen. Bei der Location unserer Wahl hatten wir zwei Termine zur Auswahl: Einen samstags, aber im absoluten Hochsommer, einen freitags im Wunschmonat. Wie zu erwarten, machte ich uns die Entscheidung künstlich schwer, dabei stand eigentlich fest: Scheiß auf den Samstag! Wir möchten im September heiraten!

Als ich dann endlich zuließ, dass wir gemeinsam die Entscheidung treffen, war es die Hölle, auf die Bestätigung zu warten. Was, wenn sie den Termin nun schon vergeben hatten, weil wir getrödelt haben? Was, wenn aufgrund unserer Entscheidung nun einige Gäste absagen würden? Bis die erlösende E-Mail mit der Bestätigung kam, fand ich Millionen Gründe, warum unsere Entscheidung auf jeden Fall die falsche war.

 

Ausatmen: Loslassen und gelassen werden.

Diese Momente sind wahnsinnig anstrengend. Nicht nur für mich, sondern auch für mein Umwelt, dass ich im Minutentakt frage, ob meine Entscheidung richtig war. Nicht, dass Familie und Freunde das wirklich beantworten könnten – niemand kann das, wer kann schon in die Zukunft sehen? – aber ich muss mich einfach vergewissern.

Dabei sollte ich viel öfter an diese kluge Frage denken, die mir einmal jemand stellte:

Ist die Entscheidung, die ich heute treffe, in 5 Jahren noch wichtig?

Boom!

Auch wenn ich wirklich Lust auf Pizza hatte: Ob wir heute zum Italiener gehen oder doch Tapas essen, spielt für den schönen Abend, den wir haben werden, keine Rolle – und ist damit schon morgen unwichtig.
Ob wir nun im Hoch- oder Spätsommer heiraten, es kann immer etwas schief gehen, vermutlich aber werden wir einen tollen Tag haben.

 

Wenn Entscheidungen sich als Scheinriesen entpuppen

Natürlich möchte ich damit nicht jede Entscheidung relativieren. Wir alle stehen im Leben vor wirklich großen Entscheidungen, die ohne Wenn und Aber Einfluss auf die Zukunft nehmen, und die sich nicht aus dem Bauch heraus treffen lassen (sollten).

Die meisten der Entscheidungen, die wir tagtäglich fällen, fallen allerdings nicht in diese Kategorie. Darum lohnt es sich, einzuatmen, auszuatmen und kurz innezuhalten: Ist diese Entscheidung wirklich so wichtig, wie ich sie gerade mache? Lohnt es sich wirklich, ihr so viel Macht über mich zu geben?

Schaffe ich es, diesen einen Schritt zu machen, fällt es mir leichter, gelassener auf die Entscheidungsberge zu schauen. Und ganz oft entpuppen sie sich sogar als Scheinriesen, die aus der Ferne viel größer wirken, als sie wirklich sind.

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